Reclaim Zionism

Debunked

Es kursieren eine Vielzahl an antizionistischen und antisemitischen Mythen. 
Warum es Mythen sind, erfährst Du hier.

1. Mythos

Zionismus ist Rassismus

Die Behauptung, dass Zionismus rassistisch sei, verkennt die Realität dieser nationalen Befreiungsbewegung. Zionismus steht dafür, Jüdinnen und Juden Selbstbestimmung zu ermöglichen. Zionismus ist kein Anspruch auf Überlegenheit, sondern ein Ausdruck des Rechts auf nationale Souveränität. Der Zionismus ist vergleichbar mit anderen nationalen Befreiungsbewegungen, die das Streben nach Selbstbestimmung und Sicherheit betonen.


Die Unabhängigkeitserklärung Israels garantiert die Gleichberechtigung aller Staatsbürger, unabhängig von Religion oder Ethnie. [1] Nicht-jüdische Israelis, darunter arabische Staatsbürger Israels (über 20 Prozent der Bevölkerung), [2] genießen die gleichen Bürgerrechte und sind aktiv am öffentlichen Leben beteiligt. Auch, wenn es, wie in jeder Gesellschaft, auch in Israel auf Ebene der zwischenmenschlichen Interaktion rassistisches Verhalten geben kann, ist dies nicht strukturell und erst recht nicht im Zionismus begründet. Alle Bürgerinnen und Bürger Israels, ob jüdisch oder nicht-jüdisch, sind gleichberechtigt.

 
Einer der Gründe, der zur Verbreitung dieses Mythos beigetragen hat, ist die UN-Resolution 3379 von 1975, die den Zionismus als eine Form von Rassismus und rassistischer Diskriminierung bezeichnete. [3] Diese Resolution entstand in einem politisch aufgeladenen Klima des Kalten Krieges, beeinflusst von geopolitischen Interessen, insbesondere durch den Druck einiger arabischer und kommunistischer Diktaturen. Die Resolution war von Beginn an stark umstritten und wurde von vielen Demokratischen Staaten abgelehnt. 1991 wurde sie schließlich mit überwältigender Mehrheit durch die Resolution 46/86 offiziell zurückgenommen, [4] was die irreführende und ungerechtfertigte Natur dieser Gleichsetzung anerkannte.

[1] die_unabhaengigkeitserklaerung_des_staates_israel.pdf

[2] https://www.cbs.gov.il/he/publications/doclib/2024/yarhon0724/b1.pdf

[3] https://www.securitycouncilreport.org/atf/cf/%7B65BFCF9B-6D27-4E9C-8CD3-CF6E4FF96FF9%7D/IP%20A%20RES%203379.pdf

[4] https://www.securitycouncilreport.org/atf/cf/%7B65BFCF9B-6D27-4E9C-8CD3-CF6E4FF96FF9%7D/IP%20ARES46%2086.pdf

2. Mythos

Zionismus verlangt die Vertreibung der Palästinenser

Die Palästinenser, die während des Unabhängigkeitskrieges von 1948 in Israel geblieben sind (ca. 150.000 Personen), erhielten die Staatsbürgerschaft des neu gegründeten Staates Israel. [1] Ihre Nachkommen machen heute über 20 Prozent der israelischen Bevölkerung aus (ca. 2.000.000 Personen) [2] und genießen volle staatsbürgerliche Rechte. Die arabische Bevölkerung Israels ist seit der Staatsgründung kontinuierlich gewachsen – ein klares Indiz dafür, dass von systematischer Vertreibung keine Rede sein kann.

Viele bedeutende zionistische Persönlichkeiten, darunter Theodor Herzl (der Begründer des modernen Zionismus) und David Ben-Gurion (Israels erster Ministerpräsident), betrachteten Koexistenz und gute Nachbarschaft mit der arabischen Bevölkerung als ein wesentliches politisches Ziel.

In der Geschichte des israelisch-arabischen Konflikts kam es infolge von Kriegshandlungen auf beiden Seiten zu Vertreibungen. Während des Unabhängigkeitskrieges von 1948 verließen zwischen 600.000 und 800.000 Menschen arabischer Herkunft ihre Heimat und konnten später nicht zurückkehren. [3] Weniger bekannt ist, dass es auch zu jüdischen Vertreibungen kam: Zahlreiche jüdische Gemeinden mussten ihre historischen Wohnorte verlassen, darunter Bewohner von Orten wie Jerusalem, Gush Etzion und Hebron. Die Altstadt von Jerusalem, in der eine jüdische Gemeinde mit jahrtausendelanger ununterbrochener Präsenz lebte, wurde nach der Eroberung durch Jordanien während der Besatzung von 1948 bis 1967 vollständig von ihrer jüdischen Bevölkerung gesäubert. [4]

Darüber hinaus wird häufig übersehen, dass im 20. Jahrhundert etwa 850.000 Juden aus muslimischen Ländern wie dem Irak, Ägypten, Syrien und Jemen vertrieben wurden oder fliehen mussten. Diese jüdischen Flüchtlinge verloren ihre Heimat, ihr Eigentum und ihre Lebensgrundlage, fanden jedoch in Israel Zuflucht und die Möglichkeit eines Neuanfangs. Heute existieren in vielen dieser Länder praktisch keine jüdischen Gemeinden mehr. [5]

Es ist daher paradox, Zionismus der Vertreibung zu bezichtigen, während die arabische Bevölkerung Israels stetig wächst und sich frei entfalten kann und gleichzeitig die jüdischen Gemeinschaften in vielen arabischen Ländern aufgrund von Diskriminierung, Verfolgung und Vertreibung praktisch ausgelöscht wurden – ein Umstand, der oft ignoriert oder heruntergespielt wird.

Vertreibungen waren eine tragische Folge des Konflikts, nicht das Ziel des Zionismus. Die Vorstellung, Zionismus fordere die Vertreibung von Palästinensern, widerspricht den historischen Tatsachen und entbehrt jeder Grundlage.

[1] https://www.bpb.de/themen/migration-integration/regionalprofile/57631/historische-entwicklung-der-juedischen-einwanderung

[2] https://www.cbs.gov.il/he/publications/doclib/2024/yarhon0724/b1.pdf

[3] https://www.bpb.de/themen/migration-integration/regionalprofile/57631/historische-entwicklung-der-juedischen-einwanderung

[4] https://www.jpost.com/opinion/ethnic-cleansing-memories-of-1929-and-1948-467459

[5] https://www.bpb.de/themen/antisemitismus/dossier-antisemitismus/321671/flucht-und-vertreibung-von-juden-aus-den-arabischen-laendern/

3. Mythos

Zionismus bedeutet, alle Entscheidungen der israelischen Regierung zu unterstützen

Die Vorstellung, dass Zionismus automatisch die Unterstützung aller politischen Entscheidungen der israelischen Regierung impliziert, ist irreführend. Tatsächlich umfasst der Zionismus ein breites politisches Spektrum mit zahlreichen unterschiedlichen Ansichten und Positionen. Zionismus bedeutet in erster Linie die Unterstützung des jüdischen Rechts auf Selbstbestimmung. Doch darüber hinaus gibt es keine einheitliche zionistische Weltanschauung. Menschen, die sich als Zionisten verstehen, können völlig unterschiedliche Werte, politische Ideologien und Meinungen zu einer Vielzahl von Themen haben – sei es zur Gesellschaft, zur Wirtschaft, zur Rolle von Religion oder zu Fragen von Krieg und Frieden.

Zionismus vereint Menschen von links bis rechts, säkular bis religiös, liberal bis konservativ – und trotz dieser gemeinsamen Grundlage können ihre Ansichten zu politischen Fragen oder den Entscheidungen der israelischen Regierung grundverschieden sein. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür ist die israelische Protestbewegung, die seit 2023 hunderttausende Israelis mobilisiert hat. Mit israelischen Flaggen in der Hand demonstrieren diese Menschen – die Mehrheit von ihnen erklärte Zionisten – gegen die Politik der Regierung. [1]

Innerhalb des israelischen politischen Systems kritisieren sich zionistische (und auch nicht-zionistische) Parteien und Akteure – sowohl in der Koalition als auch in der Opposition – regelmäßig gegenseitig, was Teil einer vielfältigen demokratischen Kultur ist. Diese Vielfalt an Meinungen zeigt deutlich, dass die Unterstützung für das Recht auf jüdische Selbstbestimmung in Israel nicht automatisch mit der Zustimmung zu jeder Regierungsentscheidung einhergeht.

[1] https://www.dw.com/de/wieder-massenproteste-gegen-israels-regierung/a-69448090

4. Mythos

Zionismus ist grundsätzlich unvereinbar mit der Existenz eines palästinensischen Staates

Das Thema eines palästinensischen Staates – ob er gegründet werden sollte, wie dies geschehen kann und wie er gestaltet sein müsste – wird weltweit intensiv diskutiert.

Der Zionismus an sich steht nicht im Widerspruch zur Gründung eines palästinensischen Staates, sondern betont in erster Linie das Recht auf einen sicheren jüdischen Staat. Viele Zionisten, darunter auch frühere israelische Premierminister, haben die Idee einer Zwei-Staaten-Lösung unterstützt, also einer Friedenslösung, bei der ein jüdischer und ein palästinensischer Staat unabhängig und friedlich nebeneinander existieren. Dies bleibt jedoch nicht unumstritten, da unterschiedliche Vorstellungen und politische Realitäten diesen Prozess erschweren.

Israel hat in zahlreichen Verhandlungen – etwa den Oslo-Abkommen oder dem Camp-David-Gipfel – sein Engagement für eine friedliche Koexistenz mit einem zukünftigen palästinensischen Staat verdeutlicht. [1]

Gleichzeitig ist es wichtig zu betonen, dass viele Menschen weltweit nicht an einer friedlichen Koexistenz interessiert sind, sondern einen palästinensischen Staat als Ersatz für den jüdischen Staat sehen und die Zerstörung des jüdischen Staates Israel im Namen der Gründung eines palästinensischen Staates fordern – was eindeutig im Widerspruch zu den Grundprinzipien des Zionismus steht.

[1] https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/275803/osloer-abkommen-als-meilensteine-im-nahost-friedensprozess/

5. Mythos

Zionismus ist die Hauptursache für Antisemitismus

Judenfeindlichkeit existiert seit Jahrtausenden und reicht weit zurück in die Zeit vor der Entstehung des modernen Staates Israel oder der zionistischen Bewegung. Schon in der Antike, im Mittelalter und in der Neuzeit waren Juden immer wieder Opfer von Hass, Diskriminierung und Verfolgung. [1]

Wer Hass gegen Juden verbreiten wollte, erfand stets neue Begründungen, die dem jeweiligen Zeitgeist entsprachen – seien es religiöse, wirtschaftliche, kulturelle oder rassistische Erklärungen. Antisemitismus passte sich immer wieder an und nutzte dabei alte Vorurteile in neuer Form. Traditionelle antisemitische Stereotype werden heute häufig auf den Staat Israel übertragen, der als Inbegriff jüdischen Seins wahrgenommen wird. [2]

Antisemitismus richtet sich nicht nur gegen Juden, die Zionismus unterstützen, sondern auch gegen jüdische Gemeinschaften, die Zionismus ablehnen oder keine Verbindung zu Israel haben. Im 20. Jahrhundert wurden Juden in muslimischen Ländern wie Ägypten, dem Irak und dem Jemen verfolgt und vertrieben, obwohl viele von ihnen keine zionistischen Überzeugungen vertraten. Ebenso waren die Opfer der russischen Pogrome im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert meist orthodoxe Juden ohne zionistische Ambitionen. Auch in der Shoah (Holocaust) wurden Juden systematisch verfolgt und ermordet, unabhängig von ihren politischen Ansichten. Diese Beispiele zeigen, dass der Hass auf Juden nicht vom Zionismus abhängt, sondern tief in antisemitischen Vorurteilen verwurzelt ist.

Hass und Gewalt gegen jüdische Menschen in der Diaspora mit Kritik an Israel oder Zionismus zu rechtfertigen, ist nicht nur unlogisch, sondern zeigt ironischerweise, wie notwendig ein souveräner jüdischer Staat als Schutzraum für Juden weltweit ist. Es verdeutlicht, dass jüdische Menschen – unabhängig von ihrer Verbindung zu Israel – nach wie vor bedroht sind und ein sicherer Zufluchtsort für ihre Existenz von entscheidender Bedeutung bleibt.

[1] https://www.bpb.de/themen/antisemitismus/dossier-antisemitismus/319011/geschichte-des-antisemitismus/

[2] https://www.politische-bildung.nrw/fileadmin/imperia/md/images/themen/Antisemitismus/Factsheet_Israelbezogener_Antisemitismus.pdf

6. Mythos

Zionismus ist ein kolonialistisches Projekt

Der Zionismus unterscheidet sich grundlegend vom Kolonialismus. Juden haben eine über 3000 Jahre alte historische, kulturelle und spirituelle Verbindung zum Land Israel (hebräisch אֶרֶץ יִשְׂרָאֵל, Eretz Jisra’el). Diese Verbindung lässt sich durch archäologische Funde, historische Aufzeichnungen und religiöse Texte belegen. Im Gegensatz zu klassischen Kolonialbewegungen, die von einem Heimatland der Kolonialherren gesteuert wurden, handelten die jüdischen Rückkehrer nicht im Auftrag eines Imperiums, sondern kamen als ein staatloses Volk, das nach Jahrtausenden der Verfolgung einen sicheren Zufluchtsort in seiner angestammten Heimat suchte.

Die Region Judäa, ein Teil des historischen Landes Israel, wurde im 2. Jahrhundert n. Chr. vom damaligen römischen Kaiser in die  Provinz Syria Palaestina (Palästina) umbenannt. [1] Nach der Niederschlagung des Bar-Kochba-Aufstands (132–135 n. Chr.) wollten die Römer die Verbindung der Juden zu ihrem Land auslöschen. Sie wählten den Namen Palästina, abgeleitet von den Philistern – historischen Feinden der Juden.

Die heutige arabische Bevölkerungsmehrheit in vielen Teilen des Nahen Ostens ist vor allem das Ergebnis der islamischen Expansion im 7. Jahrhundert. Mit den arabischen Eroberungen kam es zu gezielter Besiedlung, kultureller Arabisierung und demografischer Umgestaltung dieser Regionen. [2] Indigene Völker wie die Juden, Imazighen (Amazigh), Kurden, Kopten und Assyrer wurden dabei unterworfen, verdrängt oder assimiliert und ihre kulturellen und religiösen Identitäten häufig ausgelöscht. Auch die osmanische Herrschaft über Palästina bis 1917 stellt ein weiteres Kapitel imperialer Kontrolle dar, das die regionale Demografie und politische Struktur nachhaltig veränderte. Im Gegensatz dazu stellt der Zionismus die Rückkehr eines indigenen Volkes in seine historische Heimat dar und nicht die Errichtung eines fremden Imperiums. Der gezielte Versuch, die jüdische Geschichte im Land Israel zu leugnen und gleichzeitig die Wahrheit über die Ursprünge der arabischen Einwohner des Landes zu verdrehen, basiert weniger auf historischen Fakten als vielmehr auf einer politischen Agenda zur Delegitimierung jüdischer Souveränität. [3]

Im Gegensatz zum Kolonialismus gibt es in Israel keinen Versuch, eine Bevölkerungsgruppe zu zwingen, ihre Religion, Kultur oder Sprache aufzugeben. Straßenschilder und offizielle Dokumente sind in Israel in drei Sprachen verfasst: Hebräisch, Arabisch und Englisch. Arabische Staatsbürger Israels können arabischsprachige Schulen besuchen, ihre Religion frei ausüben und ihre eigene Kultur pflegen.

Der Zionismus ist keine kolonialistische Bewegung, sondern ein Befreiungsprojekt eines indigenen Volkes, das sein Selbstbestimmungsrecht in seinem historischen Heimatland wiederhergestellt hat. Im Gegenteil: die Gründung des Staates Israels kann viel mehr als ein Prozess der Dekolonialisierung Palästinas vom osmanischen und später britischen Imperium betrachtet werden. Die Behauptung, Zionismus sei Kolonialismus, ignoriert die tiefe Verbindung der Juden zu diesem Land und verdreht die historische Realität.

[1] https://www.deutschlandfunk.de/vor-1950-jahren-in-judaea-als-die-roemer-jerusalem-100.html

[2] https://besacenter.org/palestinians-settlers-colonialism/

[3] https://jcpa.org/article/who-are-the-palestinians/

7. Mythos

Zionismus lehnt die Rechte von Nicht-Juden ab

Der Zionismus ist die nationale Befreiungsbewegung des jüdischen Volkes, die das Recht auf Selbstbestimmung in ihrer historischen Heimat anstrebt – und nicht die Unterdrückung oder Entrechtung von Nicht-Juden. Historisch war der Zionismus stets von dem Ziel geprägt, ein friedliches Zusammenleben mit anderen Bevölkerungsgruppen zu ermöglichen.

Die israelische Unabhängigkeitserklärung garantiert ausdrücklich gleiche soziale und politische Rechte für alle Bürger, unabhängig von Religion, Herkunft oder Geschlecht. [1] Der Staat Israel ist eine Demokratie, in der nicht-jüdische Bürger volle Staatsbürgerschaft, Wahlrechte und Zugang zu öffentlichen Ämtern haben. Sie nehmen wichtige Positionen in Justiz, Politik und Gesellschaft ein. Israels Rechtssystem schützt aktiv die Rechte von Minderheiten und gewährleistet Religionsfreiheit sowie kulturelle Autonomie für alle Bevölkerungsgruppen.

[1] die_unabhaengigkeitserklaerung_des_staates_israel.pdf

8. Mythos

Zionismus strebt an, das gesamte Land „vom Fluss bis zum Meer“ zu kontrollieren

Dieser Mythos basiert auf der Annahme, dass der Zionismus auf eine Expansion Israels im gesamten Nahen Osten abzielt oder dass alle Zionisten die vollständige Kontrolle „vom Fluss bis zum Meer“ anstrebt. Tatsächlich gibt es innerhalb des Zionismus unterschiedliche politische Strömungen mit abweichenden Ansichten über die Grenzen Israels. Manche Zionisten befürworten Grenzkompromisse – historische Beispiele, wie die Rückgabe der Sinai-Halbinsel an Ägypten im Friedensvertrag von 1979 oder das Friedensabkommen mit Jordanien 1994, zeigen Israels Bereitschaft zu stabilen, friedlichen Grenzen und zu Kompromissen für den Frieden. Siehe Mythos: Zionismus ist grundsätzlich unvereinbar mit der Existenz eines palästinensischen Staates.

9. Mythos

Zionismus hat keine arabischen oder muslimischen Unterstützer

Die Vorstellung, dass der Zionismus keine Unterstützung aus arabischen oder muslimischen Kreisen erhält, ist eine irreführende Vereinfachung. Immer mehr arabische und muslimische Stimmen erkennen das Recht des jüdischen Volkes auf Selbstbestimmung in seiner historischen Heimat an.

Antizionismus wurde lange Zeit als zentrales Element der arabischen und muslimischen Identität propagiert. Diese Haltung hat jedoch wenig Positives für den Nahen Osten bewirkt; vielmehr führte sie zu Konflikten und zur Verschwendung wertvoller Ressourcen, die sowohl Juden als auch Arabern geschadet haben.

In jüngster Zeit zeichnet sich jedoch ein Wandel ab. Die Abraham Accords, die die Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und mehreren arabischen Staaten fördern, sind ein herausragendes Beispiel für diesen positiven Trend. [1] Sie bereiten den Weg für einen neuen, offenen Nahen Osten, indem Israelis und Araber positive Beziehungen zueinander pflegen und an einer gemeinsamen Zukunft in Frieden arbeiten.  Dabei wird anerkannt, dass der Zionismus keine Bewegung des Kolonialismus oder der Überlegenheit ist, sondern das legitime Streben der Juden nach Selbstbestimmung und Sicherheit verkörpert. Arabische und muslimische Kulturen können stolz und unabhängig sein, ohne die Existenz des jüdischen Volkes und dessen Geschichte zu negieren.

Während viele in der islamischen Welt derzeit noch an antizionistischen Haltungen festhalten, zeigen diese Entwicklungen, dass ein langsamer, aber sich ein positiver Wandel abzeichnet. Ein Dialog und gegenseitiges Verständnis könnten zu einer hoffnungsvollen Zukunft führen, in der Frieden und Zusammenarbeit zwischen den Völkern der Region möglich sind.

[1] https://elnet-deutschland.de/wp-content/uploads/2022/05/Abraham-Abkommen-2022_Aussendung-1.pdf

10. Mythos

Israels Existenz ist ein Ergebnis des Holocausts

Die Vorstellung, dass Israel als „Entschädigung“ für den Völkermord an den Juden geschaffen wurde, ignoriert die lange und komplexe Geschichte, die zur Staatsgründung Israels führte. Der politische Zionismus entstand bereits Jahrzehnte vor dem Zweiten Weltkrieg, getragen von dem Wunsch jüdischer Menschen, ihre kulturelle und politische Selbstbestimmung in ihrem historischen Heimatland wiederherzustellen. [1] Israel wurde den Juden nicht „geschenkt“, sondern ist das Ergebnis jahrzehntelanger Anstrengungen und des Strebens nach Souveränität nach Jahrtausenden der Vertreibung und Fremdherrschaft.

Der Zerfall des britischen Kolonialreiches und die Prinzipien des Selbstbestimmungsrechts der Völker schufen den Rahmen für die Entstehung vieler Nationalstaaten nach dem Zweiten Weltkrieg, darunter Israel, Jordanien, Irak, Libyen, Indien und Pakistan. Dieser Prozess prägte den Nahen Osten und weitere Regionen nachhaltig. Es brauchte offensichtlich keinen Genozid, damit Länder wie Jordanien oder Pakistan ihre Unabhängigkeit erlangen konnten. Warum also behaupten so viele, dass Israel nur aufgrund des Holocaust existieren kann?

Dieser Mythos negiert den langen und aktiven Weg der Juden zur Unabhängigkeit und reduziert Israels Existenz auf eine vermeintliche „Gnade“ Europas. Dadurch wird das jüdische Volk entweder als passives Opfer dargestellt, dem aus Mitleid ein Staat „geschenkt“ wurde, oder – noch perfider – es wird das antisemitische Narrativ bedient, dass Juden die Erinnerung an den Holocaust gezielt instrumentalisieren, um politische Ziele durchzusetzen. Beide Vorstellungen entmündigen das jüdische Volk, leugnen seine historischen und politischen Bestrebungen und dämonisieren es als entweder schwach oder hinterlistig.

Das Missverständnis, Israel sei ein „Geschenk“ oder eine Reaktion auf europäische Schuldgefühle, basiert entweder auf einem falschen Verständnis der historischen Zusammenhänge oder dient bewusst dem Versuch, Israel zu delegitimieren. Tatsächlich ist die Entstehung Israels ein rechtmäßiges Ergebnis jüdischer Selbstbestimmung, eingebettet in denselben globalen Kontext der Entkolonialisierung, der auch zur Entstehung anderer Nationen führte. Der Zionismus repräsentiert die Rückkehr der Juden in ihre historische Heimat – als aktive Gestalter ihrer eigenen Zukunft.

[1] Zionismus

11. Mythos

Die Palästinenser sind Opfer des Holocausts und seiner Folgen

Die Behauptung, dass die Staatlosigkeit der Palästinenser eine direkte Folge des Holocausts sei, ignoriert die komplexe Realität politischer Entscheidungen und historischer Entwicklungen in der Region. Ähnlich wie beim Mythos: Israels Existenz ist ein Ergebnis des Holocausts, ist auch die Vorstellung, die Palästinenser seien Opfer des Holocausts und seiner Folgen, irreführend.

Bereits in den 1930er und 1940er Jahren bestanden Verbindungen zwischen führenden palästinensischen Persönlichkeiten und Nazi-Deutschland. Ein prominentes Beispiel ist Mohammed Amin al-Husseini, der damalige Großmufti von Jerusalem. Er arbeitete aktiv mit den Nationalsozialisten zusammen, traf sich mehrfach mit Hitler und förderte antisemitische Propaganda in der arabischen Welt. [1]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde den Palästinensern, ebenso wie den Juden, 1947 im Rahmen des UN-Teilungsplans die Möglichkeit angeboten, einen eigenen Staat zu gründen. Doch anstatt die Chance zu nutzen, einen eigenen Staat aufzubauen, entschieden sich die palästinensischen Führer, den Plan abzulehnen. Sie stellten die Verhinderung eines jüdischen Staates über die Verwirklichung ihrer eigenen Staatlichkeit – eine Haltung, die auch heute noch unter Palästinensern weit verbreitet ist. Diese Priorisierung führte dazu, dass sie gemeinsam mit den umliegenden arabischen Staaten einen Krieg begannen, den sie schließlich verloren. Infolgedessen endeten die Palästinenser mit weniger Land und weniger Möglichkeiten, als ihnen ursprünglich angeboten worden war. [2]

Die Vorstellung, dass die Staatlosigkeit der Palästinenser auf den Holocaust zurückzuführen sei, negiert ihre eigene politische Handlungsfähigkeit und die Konsequenzen ihrer Entscheidungen. Sie verdreht die historische Realität, in der führende Palästinenser mit den Nazis kooperierten, zu einem Narrativ, in dem sie als Opfer des Holocausts dargestellt werden. Dies ist eine klassische Opfer-Täter-Umkehr mit dem Ziel, Desinformation zu verbreiten und Verantwortung zu verschleiern. Damit wird nicht nur die Rolle der palästinensischen Führungen in der Geschichte relativiert, sondern auch die Tatsache ignoriert, dass ihre eigenen politischen Entscheidungen maßgeblich zur aktuellen Situation beigetragen haben.

[1] https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/islam-und-faschismus-der-grossmufti-von-jerusalem

[2] https://www.deutschlandfunk.de/vor-70-jahren-die-verabschiedung-des-un-teilungsplans-fuer-100.html

12. Mythos

Man muss jüdisch sein, um Zionist zu sein

Die Vorstellung, dass man jüdisch sein muss, um Zionist zu sein, ist falsch. Menschen aller Glaubensrichtungen und Hintergründe, die die jüdische Selbstbestimmung in ihrer historischen Heimat unterstützen, sind Zionisten. Zionismus ist eine ideologische Unterstützung für das jüdische Recht auf eine Heimat, die man unterstützen kann, ohne selbst jüdisch zu sein.

Ähnlich wie man keine Frau sein muss, um die Rechte der Frauen zu unterstützen, oder zu einer bestimmten Minderheit gehören muss, um sich gegen deren Unterdrückung auszusprechen, kann jeder die jüdische Bevölkerung in ihrem Streben nach Selbstbestimmung und Sicherheit unterstützen. Es ist eine Frage der Solidarität und des menschlichen Mitgefühls, unabhängig von der eigenen ethnischen oder religiösen Identität.

13. Mythos

Zionismus ist eine religiöse Ideologie

Die Vorstellung, dass Zionismus eine rein religiöse Ideologie sei, verkennt die tatsächlichen Ursprünge und Ziele der zionistischen Bewegung. Obwohl das Land Israel und die Sehnsucht nach der Rückkehr nach Zion seit Jahrtausenden eine zentrale Rolle in jüdischen Texten, Gebeten und Feiertagen spielen, entstand der moderne Zionismus im späten 19. Jahrhundert als primär politische und weitgehend säkulare Bewegung. Sein Ziel war es, einen jüdischen Nationalstaat im historischen Land Israel zu schaffen und die nationale Selbstbestimmung des jüdischen Volkes zu sichern. [1]

Innerhalb der zionistischen Bewegung existieren unterschiedliche Strömungen, darunter der religiöse Zionismus, dessen Anhänger glauben, dass das Land Israel den Juden von Gott versprochen wurde und dass Juden die Verpflichtung haben, das Land zu besitzen und zu verteidigen, und zwar in einer Weise, die den Vorgaben der Tora entspricht. Der religiöse Zionismus bleibt jedoch nur eine von mehreren Ausprägungen. Persönlichkeiten wie Theodor Herzl, der Begründer des modernen Zionismus, sowie viele andere Unterstützer der Bewegung, insbesondere in ihrer Frühphase, waren nicht religiös oder sogar atheistisch und betrachteten den Zionismus als politische und nationale Befreiungsbewegung.

Der Glaube, dass zionistische Ansichten unbedingt religiös motiviert seien müssen, verkennt das Wesen des Judentums als Ethnoreligion, in der ethnische, kulturelle und religiöse Identitäten miteinander verwoben sind. Jüdische Identität umfasst nicht nur den Glauben, sondern auch eine jahrtausendealte Kultur und nationale Zugehörigkeit, die über Generationen hinweg weitergegeben wurde. Man kann jüdisch sein, ohne gläubig zu sein oder religiöse Rituale zu befolgen.

[1] Zionismus